Der Flügel in der AfD

Der Flügel ist eine Parteiströmung innerhalb der AfD, die sich selber gerne als „nationalkonservativ“ bezeichnet, die aber als offen rechtsextrem zu kennzeichnen ist. Grundlage der Äußerungen von prominenten Politiker*innen, die sich zum Flügel bekennen, ist ein völkisch-nationalistisches Denken. Zentral hierfür ist ein rassistisches Gesellschaftsverständnis, das von einer starren und unveränderlichen ethnisch-kulturellen Einheit in einem „Volk“ ausgeht. [-> bishier könnten diese Sätze die Einführungssätze / der Teaser vorm „Weiterlesen-Button“ sein ] Von diesem Verständnis abweichende Vorstellungen oder eine pluralistische und multikulturelle Gesellschaft werden abgelehnt und bekämpft. Das geht einher mit einem stark traditionellen und hierarchischen Gesellschafts- und einem autoritären Staatsverständnis. Einwanderung, Feminismus, nicht-christliche Religionsgemeinschaften, linke Gleichheitsvorstellungen und vermeintlich abweichende gesellschaftliche Minderheiten werden als Gefahr für das so konstruierte homogene „Volk“ abgelehnt. Viele Politikwissenschaftler*innen rechnen den Flügel der sogenannten „neuen Rechten“ zu, die versucht, ihre ethnopluralistischen Gesellschaftsvorstellungen durch Diskursverschiebungen mehrheitsfähig zu machen. Der Flügel vertritt diese Positionen innerhalb der AfD dabei besonders radikal, entsprechend gibt es zahlreiche inhaltliche und personelle Überschneidungen in andere extrem rechte Strömungen wie zum Beispiel PEGIDA oder der Identitären Bewegung.
Der Flügel innerhalb der AfD ist keine eigenständige Organisation, sondern eher eine Pressuregroup und ein Netzwerk mit fließenden Grenzen zu anderen Strömungen innerhalb der Partei. Gegründet wurde der Flügel 2015, mit dem Ziel, in der Auseinandersetzung um die politische Ausrichtung der AfD Druck gegen den damaligen Parteichef Bernd Lucke aufzubauen und um die Partei noch weiter nach rechts zu verschieben. Im Zuge der anhaltenden Radikalisierung der AfD nach ganz rechts außen gewann der Flügel immer weiter an Einfluss. Vor allem die ostdeutschen Landesverbände sind Flügel-dominiert, die im Vergleich zum Westen geringen Mitgliederzahlen werden durch hohe Wahlergebnisse wettgemacht. Wichtige Positionen innerhalb der AfD sind mit Flügel-Kandidat*innen besetzt. Mit Andreas Kalbitz (Brandenburg) sitzt das nach Björn Höcke (Thüringen) und Hans-Thomas Tillschneider (Sachsen-Anhalt) wichtigste Aushängeschild des Flügels im Bundesvorstand der Partei. Die Anzahl der Anhänger*innen des Flügels innerhalb der AfD wird auf 30 bis 40 Prozent geschätzt. De facto kann innerhalb der AfD keine Politik ohne den Flügel gemacht werden. Seine Protagonist*innen kämpfen auch innerhalb der Partei mit harten Bandagen und treiben die Faschisierung der AfD erfolgreich voran. Die als Gegengewicht zum Flügel gegründete „Alternative Mitte“ ist in den meisten Landesverbänden bedeutungslos oder mundtot gemacht worden. 
Der Flügel lehnt eine realpolitische Annäherung an bürgerlich-konservative Parteien als „Verwässerung“ der Ziele der AfD ab, stattdessen sucht man den Schulterschluss mit PEGIDA und Co. Die demokratischen Parteien werden aus den Reihen des Flügels besonders aggressiv verächtlich gemacht und delegitimiert.(Sagt man das so “ Parteien werden ächtlich gemacht“? irgendwie klingt das komisch, als würde was fehlen??? -> ja, kann man so sagen 😉 ) Im Gründungsaufruf des Flügels, dem „Kyffhäusermanifest“ ist die Rede von einer „Einheitsfront der Altparteien“ und einem „Medienfilz“, die gegen die Interessen von Volk und Nation handeln würden. Auch in der programmatischen „Erfurter Resolution“ des Flügels (an der 2015 auch der rechtsextreme Verleger Götz Kubitschek mitgewirkt hat) werfen die Verfasser(Gendern, oder waren es nur Männer? -> meiner Kenntnis nach nur männliche Verfasser: Kubitschek, Höcke, Poggenburg) den demokratischen Parteien „Feigheit und den Verrat an den Interessen unseres Landes“ vor und kritisieren die damals regierende Parteispitze. Die Partei habe „sich von bürgerlichen Protestbewegungen ferngehalten und in vorauseilendem Gehorsam sogar distanziert, obwohl sich tausende AfD-Mitglieder als Mitdemonstranten oder Sympathisanten an diesen Aufbrüchen beteiligen„. Gemeint sind mit den „Protestbewegungen“ rassistische Aufmärsche wie Pegida u.Ä. Getreu dieser Linie versammelt sich die Führungsriege des Flügels im September 2018 auch an der Spitze des rechtsextremen Großaufmarsches in Chemnitz und übt dort demonstrativ den Schulterschluss mit anderen rechtsextremen Strömungen, gewalttätigen Neonazis und rechten Hooligans. (Hier war plötzlich Präteritum genutzt)
Dementsprechend sind auch der Flügel und seine Anhänger*innen in Niedersachsen ausgerichtet. Schaut man in die interne Publikation des niedersächsischen Flügels „Federlesen“ wird dort eine „neue Kameradschaft“ (Federlesen August 2019) gefordert und die parteiinterne Unvereinbarkeitsliste, die Mitgliedern rechtsextremer Organisationen, den Eintritt in die AfD verwehren sollte, kritisiert (ebd.). Geäußert wird stattdessen der Wunsch nach „Fundamentalopposition“ und einer „klaren Kante“ (ebd.). Man bekennt sich auch in Niedersachsen ganz klar zum Kyffhäusermanifest und zur Erfurter Resolution und versteht sich unter Flügel-Kamerad*innen eher als Widerstandsbewegung, denn als Parlamentspartei. In einer flügelinternen Mail des niedersächsischen Flügel-Obmanns Otto warnt dieser die Anhänger*innen vor den „Fallstricke[n] des süßen Parteienstaates“. Das alles ist auch als Kampfansage gegen die aktuelle Parteichefin Dana Guth zu lesen.