Scharnierfunktion: die AfD-Demonstration am 24.8.2019 in Hannover

Während im Landtagsgebäude Hildburg Meyer-Sande (Ex-HDJlerin und Mitglied der Identitären Bewegung) als Mitarbeiterin der AfD-Landtagsfraktion am „Tag der offenen Tür“ Schnittchen und Präsente anbietet, versammeln sich nebenan auf dem „Platz der Göttinger Sieben“ die ersten Demonstrant*innen. Die AfD hat für den Nachmittag eine Demonstration unter dem Motto „Es reicht!“ angemeldet.
Als Ideengeberin und Hauptorganisatorin outet sich Delia Klages (AfD Weserbergland) in einem Interview. Unterstützt wird sie bei der Vorbereitung und Durchführung von Dietmar Friedhoff und einigen anderen Personen, von denen etliche schon beim „Pegasus Germanus“ aktiv waren. So sind in den kurzen, qualitativ oft grenzwertigen Werbevideos überwiegend Personen aus dem AfD-Kreisverband Hannover-Land (darunter Jürgen Klingler), aber auch aus Nienburg, Diepholz (Andreas Iloff), Weserbergland, Hannover-Stadt, Braunschweig und Peine zu sehen: alles Kreisverbände, die auch im Pegasus mitwirkten.
Erstmals taucht in diesen Zusammenhängen Jens Kestner, AfD- Bundestagsabgeordneter aus Northeim, auf. Neben seinem Auftritt im Werbevideo agiert er auch als Redner bei der Auftaktkundgebung. In seiner Rede bei der Auftaktkundgebung, die er fast herausschreit, beschwört er einen bevorstehenden Verlust der Heimat, eine Erosion der öffentlichen Sicherheit und ein Entarten der Gesellschaft durch Einwanderung herauf. Die Beiträge der anderen Redner*innen (Dana Guth als Landesvorsitzende, Joachim Wundrak, AfD- Bürgermeisterkandidat für Hannover, Delia Klages und Kathrin Baake (AfD Osterholz-Verden)  zielen in die gleiche Richtung, sind aber wesentlich gemäßigter. Christopher Emden (AfD – Landtagabgeordneter aus Verden) und Dietmar Friedhoff verstehen es aber – ähnlich wie Kestner – die Anwesenden mit ihren Redebeiträgen so aufzuputschen, dass der folgende Demonstrationszug von Sprechchören wie „Merkel muss weg!“ und „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!“ akustisch von einer NPD- oder Die-Rechte-Demonstration kaum zu unterscheiden ist.
Kestner und Friedhoff weisen beide in ihren Reden auf die bevorstehenden Wahlen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen hin und stellen diese flügeldominierten Länder als Vorbild für Niedersachsen dar:
Im Osten geht die Sonne auf!“ (Jens Kestner)
Der Osten steht auf! Deshalb wird es Zeit, dass der Westen wach wird!“ (Dietmar Friedhoff)
Dass sich im Demonstrationszug zahlreiche Menschen mit einschlägigen Plakaten oder T-Shirts befinden, ist den Veranstaltern nur bedingt anzurechnen, da diese meist keine Parteimitglieder sind. Dass gegen diese Plakate und T-Shirt-Slogans nicht eingeschritten wird, zeigt allerdings deutlich, dass es hier keinerlei Berührungsängste gibt. Wie auch, wenn selbst in den Reihen der mitdemonstrierenden Parteimitglieder etliche Menschen sind, die auf Grund ihrer Mitgliedschaft oder durch enge Kontakte zu IB, NPD oder anderen neofaschistischen Gruppen eigentlich gar nicht der AfD angehören dürften?  So sind unter anderem mit Andreas Iloff, Marc Aubel, Andreas Tute, Viktor Kaspar und Doris von Sayn-Wittgenstein auf dem Demonstrationszug zu sehen. Der in Northeim wohnende Paul Sass, der beim Neonazi-Festival Schild und Schwert organisatorische Aufgaben übernimmt und zu Thorsten Heise den besten Kontakten pflegt, tritt sogar als Bannerträger des AfD-Kreisverbands Northeim auf. Für einige der Demonstrant*innen ist die Demonstration allerdings nur eine Unterbrechung des 2-tägigen Treffens der „Pegasus“-Nachfolgeorganisation an diesem Wochenende in der benachbarten Wedemark.