Zwei misslungene Demonstrationsversuche im Mai 2020

Am Freitag, den 8.5.2020, meldete eine Gruppe von AfD-Mitgliedern um den AfD-Bundestagsabgeordneten Dietmar Friedhoff aus Neustadt eine Demonstration unter dem Motto „Unsere Freiheit ist nicht verhandelbar!“ für 400 Personen auf dem Opernplatz in Hannover an. Diese wird von der Stadt verboten, nach einer Klage der Anmelder jedoch vom zuständigen Verwaltungsgericht zugelassen. Trotzdem sagt der Anmelder, Dirk Brandes (Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Hannover-Land), die Veranstaltung mit Hinweis auf die Kürze der verbleibenden Anreisezeit und auf schikanöse Auflagen seitens der Behörden ab.
Erwartungsgemäß wurde für Freitag, 15.5.2020, erneut angemeldet. Auffällig ist bereits im Vorfeld zu der Veranstaltung, dass – anders als in der Vorwoche – keinerlei Werbung über die sozialen Netzwerke erfolgte. Dann der Paukenschlag: am Freitagmittag wurde auch diese Veranstaltung ohne Angabe von Gründen abgesagt. In einem Schreiben, dass der HAZ (Hannoversche Allgemeine Zeitung) vorliegt, beklagt sich Dietmar Friedhoff zwar auch über das Vorgehen der Versammlungsbehörde, aber mehr noch über interne Auseinandersetzungen in der AfD Niedersachsen. „Die innerparteilichen Streitigkeiten, Angriffe und Verleumdungen haben in unerträglicher Weise zugenommen“, wird Friedhoff zitiert.
Mit dieser Absage hat sich die Gruppe um Dietmar Friedhoff, die sich früher „Pegasus Germanus“ nannte, selbst als ernstzunehmende Gruppierung innerhalb der niedersächsischen AfD und ebenso in ihrem Anspruch auf eine starke Position im neuen Landesvorstand ad absurdum geführt.
Der Versuch Friedhoffs und einiger seiner Mitstreiter in einer Pressekonferenz die Anmeldung der zweiten Demonstration als Nachweis für die Zusammenarbeit von Ordnungsbehörden und Polizei mit der Presse zu Ungunsten der AfD darzustellen und damit von ihrer eigenen Unfähigkeit abzulenken, überzeugt nicht. Friedhoffs Chancen, nach seiner Niederlage bei der letzten Landesvorstandswahl, dieses Jahr im zweiten Anlauf AfD-Landesvorsitzender zu werden, sind durch diese Aktionen deutlich gesunken. Friedhoff, der zwar in den sozialen Netzwerken sehr aktiv ist, teilweise allerdings mit abstrusen Posts, im Bundestag aber zu den Hinterbänklern gehört, hat nun trotzdem seine Kandidatur angekündigt. Galt er bei der letzten Wahl noch als Kronprinz des ehemaligen Landesvorsitzenden Paul Hampel und konnte auf dessen Unterstützung setzen, unterstützt Hampel dieses Mal seinen Bürogemeinschaftspartner Jens Kestner, wie in den letzten Wochen deutlich sichtbar wurde.
Der Weg scheint frei zu sein für Jens Kestner, der seit einigen Wochen vor allem in den sozialen Netzwerken dauerpräsent ist. In den letzten 2 Wochen wurden dort drei Videos eingespielt, die zwar technisch und auch inhaltlich teilweise sehr schlecht gemacht sind, aber davon zeugen, dass es Kestner gelingt AfD-Kreisverbände nicht nur in Südniedersachsen für seine Arbeit zu gewinnen. Dass in den Videos sehr grenzwertige Äußerungen getätigt werden, scheint den verbindlichen Moderator der Videos, Jens Kestner, nicht weiter zu stören. Hauptsache, Mann ist präsent!